Aufgrund der guten
Wetterprognose für die Küstenregionen haben wir uns entschlossen, nicht
in den Yellowstone NP, sondern in den Olympic NP zu fahren.
So brachen wir am Mittwoch, dem 26.9. in der Früh von Richland Richtung
Westen mit unserem Ford F150 Truck auf. Doch wir sollten nicht weit
kommen… Noch bevor wir den Pass über die Cascades überwunden hatten,
streikte das Auto. Leere Batterie während der Fahrt kann nur bedeuten:
Lichtmaschine kaputt. Zum Glück sind wir noch bis zu einer
Autobahnausfahrt gekommen. Und zum Glück war diese Ausfahrt nicht ganz
“in the middle of nowhere”. Wir gingen zu einem Haus an einem kleinen
See, und eine sehr nette Dame begann sofort alle Hebel in Bewegung zu
setzen, damit unser Auto repariert würde. Eine Freundin von ihr hatte
einen Abschleppdienst im nächsten Ort – die kam sofort und schleppte uns
zur nächsten Werkstatt, die dann innerhalb von 2 Stunden eine neue
Lichtmaschine eingebaut hat. Der ganze Spaß kostete zwar einiges, doch
waren wir froh, dass wir so schnell weiterfahren konnten.

Mammutbäume im Hoh Valley [bp] |
Damit gelangten wir noch am gleichen Abend, nachdem wir entlang der
wunderschönen
Pazifikküste gefahren
sind, ans ersehnte Ziel: Die Hoh River Ranger Station im Olympic NP.
Nach einer Nacht am dortigen Campground planten wir, eine 3-tägige
Wanderung im Nationalpark zu unternehmen. In der Früh, als wir das Auto
auf den Overnight-Parkplatz stellen wollten, wollte unser Truck nicht
starten. Es lag nicht an der Batterie, denn auch mit Starthilfe war
nichts zu machen. Was tun? Der nächste Ort ist 30 Meilen entfernt. Doch
im Visitor Center waren gleich alle sehr hilfsbereit. Eine Frau wollte
gleich ihren Mann aus dem Ort holen, da sich der bei Autos gut auskennt
und das vielleicht reparieren könnte. Außerdem arbeiten zwei ihrer
Cousins im Auto Part Store – dort scheint wirklich jeder mit jedem
verwandt zu sein… Jedenfalls bot sich dann ein älterer Mann, der unserer
Konversation gefolgt ist, an, das Auto anzuschauen. Er hatte Werkzeug
bei sich, und sah sich unser Gefährt an. Er meinte, das Relais
würde kaputt sein und
nahm einen Schraubenzieher, verband damit 2 Kontakte irgendwo im Motor,
und unter starkem Funkenflug begann der Motor zu laufen. Das Problem war
allerdings, dass man das Auto nur noch so starten konnte, und dabei
fließt so viel Strom, dass die Batterie jedes Mal leer wurde. So
beschlossen wir, trotzdem die Wanderung zu unternehmen, um am Samstag
dann die Schrottkiste reparieren zu lassen.
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In den Regenwäldern des Olympic
National Park [bp] |
Nachdem wir dann das Backcountry Permit gekauft haben (13 $ für 2 Nächte
und 2 Personen) ließen wir um 10:30 endlich alle Probleme hinter uns –
wir begaben uns in den Regenwald. 9 Meilen wanderten wir in das Tal des
Hoh River hinein in einer wunderbaren Landschaft. Riesige (bis 100 m
hohe) Nadelbäume mit zwei Meter Stammdurchmesser (!) standen in einer
Landschaft mit undurchdringlichem Dickicht an Unterholz aus kleinen
Bäumen, Sträuchern, Beeren und Moosen. Der Hoh River ist ein breiter
Gletscherfluss mit türkisblauem Wasser und weiten Schotterbänken.
An diesem Tag stand allerdings noch ein Anstieg von gut 1000 Höhenmetern
zum Zeltplatz auf dem Programm. Der Trail führte in 22 (teilweise
endlosen) Kehren hinauf bis zu einem Zeltplatz in ca. 1200 m Höhe. Dort
verbrachten wir die erste Nacht, um am nächsten Tag durch
Heidelbeerwälder (echt, die Heidelbeersträucher sind dort mannshoch!)
auf den Bogachiel Peak (1600m hoch) zu gehen. Von dort hatte man eine
grandiose Aussicht auf den Mount Olympus (2500m) mit seinen imposanten
Gletschern. Und

Blick vom Bogachiel Peak [bp] |
das ganze bei strahlendem Sonnenschein, was in dieser Region doch eine
große Ausnahme ist! Auf dem Weg sahen wir auch viele verschiedene Tiere,
sogar einen Schwarzbären haben wir in der Ferne Beeren essen gesehen.
Ansonsten sieht man Schneehühner, Rehe (deer) und Hirsche (elk) – alle
sehr zahm!
Am selben Tag gingen wir noch bis ins Tal zurück, übernachteten am Fluß
und am Samstag Vormittag kamen wir wieder in die Zivilisation. Mit einem
Schraubenzieher vom Visitor Center und mit Starthilfe vom Ranger
schafften wir es, das Auto in Bewegung zu setzen, um in den nächsten Ort
(Forks) zu fahren. Dort, im Auto Part Store, befand einer der Cousins,
dass das Relais nicht kaputt ist, sondern ein Kontakt beim Zündschlüssel
musste defekt sein. Dieses Problem konnte nur ein Mechaniker lösen. Zum
Glück war dort eine Werkstatt auch samstags geöffnet, und so fuhren wir
(noch einmal mit Schraubenzieher-Starterkabel-Methode) zu dieser
Werkstatt. Dort erfuhren wir die Hiobsbotschaft. Das Relais war nicht
kaputt (das wäre billig zu reparieren gewesen). Ursprünglich war nur der
Zündkontakt defekt, doch mit unserer “russischen” Startmethode haben wir
den Starter ruiniert. Wir dachten bereits, dass wir nun dort für einige
Tage gefangen wären, doch zwei Stunden später war das Auto fertig… Unser
Glück war wirklich, dass wir ein einheimisches Auto haben, das in
riesiger Stückzahl produziert wurde, und für das es überall Ersatzteile
gibt…

Der Crescent Lake am Weg nach Port
Angeles [bp] |
Unser Plan war nun, die Olympic Peninsula Richtung Kanada zu verlassen.
So fuhren wir entlang malerischer Bergseen Richtung Port Angeles, dem
Fährhafen nach Victoria auf Vancouver Island. Dort übernachteten wir in
einem Motel, da die Fähre bereits um 8:20 in der Früh abfährt.
Am Sonntag früh (29.9.) ging es dann auf die Fähre. Um 39$ gelangten
unser Auto und wir nach Kanada auf Vancouver Island. Die Überfahrt war
recht stürmisch, da in der Nacht eine Kaltfront durchgezogen war. Bei
Windstärke 5 (mindestens) schwankte das Schiff in der Juan de Fuca
Strait ganz schön. Doch die zahlreichen Lachse, die dort an der
Wasseroberfläche herum sprangen, schien das nicht zu stören…

Victoria [bp] |
In Victoria kommt man mit der Fähre mitten im Stadtzentrum an. Victoria,
die Hauptstadt von British Columbia, ist eine sehr britische Stadt. Dort
haben sich die Traditionen der Kolonialzeit wirklich noch gehalten. Nach
einem Spaziergang durch die Innenstadt sahen wir plötzlich eine echt
schottische Parade! Hinter ca. 20 Dudelsackspielern gingen sicher 200
Männer mit schottischen Kilts… Und auch die Zaungäste sahen alle sehr
britisch aus! Möglicherweise war das eine Probe, denn die Queen wird
Victoria von 4. - 6. Oktober besuchen…
Am frühen Nachmittag ließen wir Victoria hinter uns, um noch ein
bisschen von der Insel zu sehen, bevor wir mit der Fähre nach Vancouver
fuhren. Leider war das Wetter nicht besonders gut, es gab immer wieder
starke Regenschauer. Auf der Fähre um 17:00 bekamen wir leider keinen
Platz mehr, so mussten wir zwei Stunden warten, ohne irgendeine
Information zu bekommen. Die Fahrt war sehr angenehm – im Westen das
letzte Abendrot, im Osten die hell erleuchtete Stadt Vancouver. Und wir
auf einem riesigen Schiff, das Platz für 400 Autos hat.
In Vancouver blieben wir zwei Nächte bei Bekannten von Stefan.

Downtown Vancouver [se] |
Den nächsten Tag (Montag) verbrachten wir damit, Vancouver zu
besichtigen. Die Stadt hat wirklich viel zu bieten. Riesige Parks, die
eigentlich wie Wälder aussehen, und ganz nah bei der Innenstadt liegen.
Wasser befindet sich sowieso überall, und deshalb besitzen auch viele
Einheimische irgendeine Art von Wasserfahrzeug. Gleich zu Beginn waren
wir auf Granville Island, die von parkenden Yachten umringt ist, und wo
einen tollen Markt gibt – mit kulinarischen Genüssen, von denen man in
Richland nur träumen kann… Wir konnten uns nur schwer trennen, aber dann
fuhren wir mit einem Miniboot hinüber nach Downtown. Weitere Stationen
waren noch Gastown und Chinatown, und am Nachmittag planten wir, ins
Anthropologische Museum zu gehen, das im Universitätscampus gelegen ist.
Leider war dieses Museum montags geschlossen, daher spazierten wir ein
bisschen durch das Uni-Gelaende. Die University of British Columbia hat
einen riesigen Campus auf der Spitze einer Halbinsel und ist sehr schön
gelegen! Wir gingen in ein Science-Gebäude hinein, und nachdem wir eine
Einführungsvorlesung in Physik gesehen haben, hätten wir fast nicht mehr
aus dem Gebäude hinausgefunden. Irgendwo zwischen Chemielabors gelang es
uns dann wieder, an die frische Luft zu kommen… Dann wollten wir aber
noch die Meteorologen suchen. Das Bauwerk der Earth Sciences glich mehr
einem Gefängnis als einem Universitätsgebäude. Ein 50er-Jahre-Bau, der
seit damals nie renoviert wurde mit furchtbaren, winzigen Bürokammerln.
Bei einigen Wissenschaftlern hat sich der Galgenhumor durchgesetzt:
“House of horror”, oder ähnliches kann man auf Bürotüren lesen…
Nachdem wir am Abend noch zu einem schönen Aussichtspunkt hoch über der
Stadt gefahren sind, waren wir schlussendlich erschöpft von einem Tag
Großstadt.

Im North Cascades National Park [bp] |
Der nächste (und letzte) Tag der Rundreise führte uns schließlich über
die Cascades zurück nach Richland. Beim Mount Baker machten wir eine
kleine Wanderung auf einen Aussichtsberg (ca. 1600m), auf dem bereits
Schnee lag. Von dort hatten wir einen sehr schönen Blick auf den stark
vergletscherten Vulkankegel des Mount Baker (3200m). Weiter ging die
Fahrt (weit über 100 Meilen) durch den North Cascades Nationalpark. Das
ist so, als ob man von München nach Verona durch die Alpen fährt, und
dabei an keinem einzigen Ort vorbeikommt. Eine wirklich einsame Gegend.
An der Ostseite des Gebirges angekommen, wurde es schon dunkel, aber wir
beschlossen, nach einem Abendessen in einem typischen Westerndorf, noch
die restlichen 200 Meilen über einsame, ebene Landstraßen bis Richland
zu fahren.
Plötzlich jedoch sahen wir im Norden einen seltsamen Nebel. Zuerst
dachten wir an tiefe Wolken. Als man dann jedoch Sterne durch die Wolken
durchleuchten sah, wurden wir stutzig. Irgendwie wurden unsere
Erinnerungen an Finnland geweckt und wir waren uns sicher: Polarlicht!
Zum Glück sind Orte in dieser Gegend sehr selten, darum hatten wir
wirklich gute Beobachtungsbedingungen ohne störendes künstliches Licht.
Wandernde grüne Vorhänge und andere eindrucksvolle Formen des
Polarlichts wanderten fast über den ganzen Himmel! Da man in Nordamerika
auf der selben geographischen Breite viel näher dem magnetischen Nordpol
ist als in Europa, ist die Chance, Polarlichter zu sehen, hier viel
größer! Beeindruckt von diesem Himmelsschauspiel kehrten wir müde nach
Richland zurück.
written by bernhard |