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Yellowstone National Park   zu den Bildern


Yellowstone – der Inbegriff der Nationalparks. Hier wurde die Nationalparkidee geboren – kein Wunder also, dass auch wir unsere Neugierde über diese einzigartige Landschaft stillen wollten.

So sattelten wir eines schönen Mittwochmorgens unseren Pickup-Truck um uns auf eine 11-stündige Fahrt nach Montana und Wyoming zu machen. Nach einem Tag auf der Interstate und einigen Tankstopps kamen wir kurz vor Dunkelheit am Madison-Campground an, wo wir heute Nacht unsere Zelte aufschlagen wollten. Nach der üblichen Einschulung des Campgroundpersonals (wo man Essen verstauen muss, wegen der Bären, und wie man die Einbahnsysteme benutzen muss) fallen wir recht müde in unsere spartanischen „Betten“.


Morgennebel im Yellowstone National Park [se]

Ein neuer Tag beginnt – die Schlafsäcke sind von Eis überzogen und das Zelt ist sowohl innen als auch außen angereift. Nach einem kurzen Frühstück fahren wir Richtung „Old Faithful“ – dem getreuen, berühmten Geysir. Die heißen Quellen im gesamten Nationalpark machen an diesem kalten Morgen ganze Arbeit – sie verstecken die wunderschöne Landschaft in einem undurchdringlichen Nebelschleier. Dieser Nebelschleier hat aber auch Vorteile, indem er alles in ein mystisches Licht taucht – Moorlandschaften, Bisonherden und brodelnde Quellen machen uns die zügige Weiterfahrt zum Old Faithful schwer – überall taucht ein neues Fotomotiv auf.

Old Faithful desillusioniert – unglaublich große Parkplätze, Shops, Hotels und riesige Visitor Centers geben ein anderes Bild vom Nationalpark, als wir es bis jetzt hatten. Wir pilgern zur Ranger Station, um das heiß begehrte Backcountry-Permit zu bekommen, welches uns erlaubt wandern zu gehen.

In der Ranger-Station angekommen, begrüßt uns gleich einmal ein Ranger (Forstbeamter, Lehrer, Polizist in einem), welcher wie jeder Ranger gekleidet ist wie „Smokey the Bear“ – grüne Uniform, Bärenspray, womöglich noch Pistole und Knüppel, sowie einen riesigen Hut am Haupt sitzend.

Ok – es beginnt die Permit Prozedur:

1) Formular ausfüllen, mit Name, Adresse, Nummernschild, Autotype, Farbe, Notfallsadresse bei Ableben,...

2) Ein zweites Formular ausfüllen, wo man angeben muss, welche Route man geht, und wann man bei welchen Campground übernachten will – man muss sich dann in jeden Fall an diesen Zeitplan halten, da man ansonsten abgestraft werden kann!!!

3) Man geht in einen Videoraum, wo man eine 15-minütige Einschulung in die Gegebenheiten und Gefahren des Nationalparks bekommt (Bären, Flüsse, Wege, Wildnis, illegale Klettertouren, Kleidung, Wetter).

4) Nachdem man sich das Video reingezogen hat, wird man von Smokey geprüft, ob man auch wirklich alles verstanden hat, und erntet von demselben strenge Blicke über den Brillenrand, wenn man bei einer Frage versagt.

5) Man bekommt eine tiefergehende Einschulung von Smokey persönlich.

6) Smokey sagt dir, ob du auf den gewünschten Campgrounds übernachten darfst. Leider bekamen wir am zweiten Tag einen anderen Campground eingeteilt, welcher viele Meilen vor dem gewünschten Campground lag.

7) Nun wird der Wegverlauf besprochen und auf die spezifischen Gefahren des Weges eingegangen. Unser Smokey ist den Weg zwar noch nie gegangen, sparte aber nicht mit dramatischen Schilderungen. Der erste Pass ist sehr steil und es führen KEINE Spitzkehren hinauf (100 Höhenmeter auf viele Kilometer – man merkte den Pass kaum), der weiter Weg ist sehr sumpfig und am Ende muss man einen reißenden Fluss queren. Das Wasser wird mindestens bis zu den Oberschenkeln reichen, es liegen, große, spitze Steine im Fluss und die Strömung ist gewaltig.

8) Nachdem all diese Einschüchterungsversuche unseren Entschluss, die Wanderung durchzuführen, noch immer nicht geändert hatte, bekamen wir schließlich das heißbegehrte Permit, welches wir am Rucksack befestigen mussten, bzw. in der Nacht am Zelt montieren mussten. Denn wenn ein anderer Smokey vorbeikommt und das Permit nicht sichtbar ist, gibt es eine saftige Strafe.


Eruption des Old Faithful Geysirs [bp]

Etwas erschöpft kamen wir nach einer Stunde aus der Ranger-Station hinaus und versuchten, ein Seil zu besorgen, um unsere Vorräte bärensicher auf einen Baum hängen zu können. Trotz der vielen Shops am Old Faithful, gab es kein Seil. Ohne Seil keine Wanderung, da dies zu riskant wäre – also nichts wie in die nächste Stadt (1 Stunde Fahrzeit). Davor setzten wir uns noch zwischen 100 Touristen zum Old Faithful, um einen Ausbruch des Geysirs mitzuerleben. Nach 20minütiger Verspätung entschloss sich der Geysir tatsächlich kochend-heißes Wasser in die Luft zu schleudern, was wirklich beeindruckend war und den Leuten ein „Ahhh“ und „Ohhh“ entlockte. Die Schwaben neben uns posierten vor der Kamera (im Hintergrund die Wassersäule des Geysirs) und nach 10 Minuten ward wieder alles verlassen und einsam.

Nachdem wir uns in der Kleinstadt „West Yellowstone“ ein Seil und einen Bärenspray (Pfefferspray) besorgt hatten, konnten wir schließlich um 14 Uhr unsere Wanderung starten. Vorbei an einigen heißen Quellen und Geysiren geht es durch sumpfige Wiesen und ausgedehnte Wälder auf den Pass zwischen Old Faithful und Shoshone-Lake. Die Landschaft (und auch die Steigungen) erinnerten uns sehr an unseren Urlaub in Nordfinnland (Reisebericht siehe photos.eisenbach.at). Am späten Nachmittag erreichten wir unseren Campground an den Ufern des Shoshone-Lake. Wir kochten irgendwelche fad-schmeckenden Fertignudeln und mussten dann alle Lebensmittel bärensicher verstauen. Dazu war zwischen zwei Bäumen in 5m Höhe eine Stange angebracht, wo man das Seil drüberwerfen musste, um so die Sachen aufzuhängen. Also schnell ein Stein ans Ende des Seils gebunden, um so das Seil über die Stange werfen zu können. Nach 2 Fehlversuchen klappte es schließlich und einer (hoffentlich) ruhigen Nacht stand nichts mehr im Wege.


Abendstimmung am Shoshone Lake [se]

Ruhig war die Nacht zwar nicht, aber dafür nicht so kalt, wie die letzte Nacht. Was sich unter Tags an Wildlife nicht gezeigt hatte, war in der Nacht zu hören. Hirsche „röhrten“ (mit einem komischen quietschenden schreien, wie ein sich im Stimmbruch befindender Teenager), ein Schwarm Gänse aus Canada landete mit viel Geschrei an unserem Ufer und in der Ferne war Wolfsgeheul zu hören – das nenne ich Wildnis!
 


Landschaft am Shoshone Lake [bp]

Auch heute begrüßte uns ein neuer, sonniger Tag. Gleich am Anfang führte der Weg durch ein geothermisch sehr aktives Gebiet mit viel Dampf, Schwefel, heißen Quellen und Geysiren – diese Anhäufung geothermischer Phänomene ist wirklich einzigartig im Yellowstonepark. Der weitere Weg war wieder im finnischen Stil – Sümpfe und unendliche Föhrenwälder. Am Weg sind viele Spuren zu sehen: Füchse, Coyoten, Wölfe, Eichkatzerln, Schneehühner, Bären – alle verewigten sich im Schlamm. Gott sei Dank waren alle Bärenspuren unterm Neuschnee zu sehen und hofften somit, dass sich im Moment keine Bären in der Nähe befinden.

Um 14 Uhr (!) erreichten wir (nach langsamen Fußmarsch und vielen Photopausen) den uns zugeteilten Campground. Da es uns zu blöd war, den ganzen Nachmittag hier zu verbringen, beschlossen wir illegalerweise hier heute Nacht NICHT zu schlafen, sondern weiterzugehen und auf einem kürzeren Weg wieder in die Zivilisation vorzustoßen.

Doch ein Hindernis bereitete uns noch Kopfzerbrechen – die gewaltige Flussquerung am Ende des Sees! Was wird uns dort erwarten? Schaffen wir es den Fluss zu queren? Werden wir stürzen und abgetrieben werden? Müssen wir diese Nacht in nassen Schlafsäcken verbringen? All diese Gedanken schwirrten durch den Kopf. Nach einem einstündigen Marsch stehen wir an den Ufern des Flusses. Ich habe mir bereits im Wald einen stabilen Stock gesucht, um mehr Halt in der Strömung zu bekommen. Die tiefe Sonne machte es schwierig, die Tiefe des Flusses abzuschätzen. Nach einer kurzen Diskussion fanden wir schließlich eine uns am idealsten erscheinende Stelle ausfindig zu machen. Also Stefan, raus aus den Hosen, in die Sportschuhe rein, den Stock fest in den Händen und rein ins kalte Wasser.
Was sich in den nächsten Minuten abspielte ist kaum zu beschreiben. Anfangs ging das Wasser nur bis zu den Knöcheln – ich ging weiter, einsam und ohne Hilfe mitten im unbekannten Fluss! Ein Schritt weiter – noch ein Schritt weiter und .... noch ein Schritt und noch ein Schritt und schon war ich drüben.

Dieser verdammte, fürchterliche Fluss (Beschreibung des Rangers) war maximal Knöcheltief und wäre ohne die Hose auch nur ein bisschen aufzukrempeln zu überqueren gewesen. Zum Überdruss standen auf der anderen Seite des Flusses auch noch Fischer, welche etwas befremdet diese Aktion beobachteten. Voller Enttäuschung und Gram über dieses lächerliche Hindernis werfe ich den Stecken am anderen Ufer zu Boden und rufe Bernhard zu, er kann mit der Suche nach einem Stecken aufhören und über den Fluss gehen.
Dieser komische Ranger versuchte uns einzureden, dass diese Querung ein fast unüberwindliches Hindernis darstellt – man kann sich unsere Enttäuschung vorstellen ... nach DIESER Lächerlichkeit.

Der weitere Weg entsprach unserer Stimmung – zwei Stunden Fußmarsch durch Baumleichen, da ein Waldbrand dieses Gebiet aufgesucht hatte. Eintönigkeit und Fadesse bestimmten das Bild des Weges. Wir konnten es kaum glauben, als wir kurz vor Dunkelheit die Straße erreichten.

Nun galt es nur noch ein Auto zu stoppen. Also bestes Gesicht aufsetzen und hoffen ... und tatsächlich der dritte Fahrer (ein Engländer, der bei Boeing gefeuert wurde und nun durch Amerika kurvt) hält und führt uns zurück zu unserem braven Ford-Truck.


Mammoth Hot Springs [se]

Der nächste Tag galt den Highlights des Nationalparks. Unser erster Programmpunkt war Mammoth, wo gewaltige Quellen große Mengen an Kalk ausscheiden und so eine einzigartige weiße Terrassenlandschaft schaffen. Es geht weiter an Geothermalgebieten mit Geysiren vorbei zum Grand Canyon von Yellowstone, dessen farbenprächtige Felswände und Wasserfälle ein beeindruckendes Schauspiel abgeben.


Auf der Weiterfahrt stoppen wir noch bei weiteren heißen Quellen, blubbernden Schlammlöchern, und fauchenden Dampfschloten.
 


Im Upper Geyser Basin [se]

Im Upper Geyser Basin – wo auch Old Faithful steht - hatten wir das Glück, dass zur gleichen Zeit drei Geysire ausbrachen und so manch brauchbares Photomotiv abgaben.

In West Yellowstone suchten wir uns dann ein billiges Motel um den Dreck der letzten Tage loszuwerden (da alle Campingplätze in den Nationalparks KEIN Warmwasser, geschweige denn Duschen haben – hauptsche man zahlt 15 Dollar). Wir genießen noch das Nightlife in diesem kleinen Städtchen, indem wir eine Pizzeria und eine Buchhandlung aufsuchen und fallen müde und zufrieden ins weiche, warme Bett.
 


Endlose Straßen in Montana [bp]

 Auf der Rückfahrt fuhren wir auf Nebenstraßen durch Montana, welches größer als Deutschland ist, aber nur 900.000 Einwohner hat. Das heißt, alle 50 Meilen (80,45km) trifft man auf eine Ansiedlung mit 200 Einwohnern – ansonsten sieht man viel Nichts (in Amerika auch Landschaft genannt).
Trotzdem – Amerika ist ein wirklich schönes Land, nur die Distanzen sind für Europäer einfach nicht so leicht zu verdauen. Auf jeden Fall haben wir vom Zellowstonepark (das passiert dazernd mit der amerikanischen Tastatur) einen positiven Eindruck nach Hause genommen und das ist ja die Hauptsache.

Auszeichnung von Travel-Links.de     written by stefan

 

 

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