| Um nochmals Azra
und Sinisa in Vancouver zu besuchen (ein Ehepaar, denen der Breitenfurter Freundeskreis
geholfen hat aus Bosnien zu flüchten und nun Kanadier sind), sattelte ich Freitag mittags
nochmals unseren Pickup Truck um mich auf den Weg ins schöne British Columbia zu machen.
Das Wetter war wieder einmal sehr untypisch für den Nordwesten der USA. Während ich in
Seattle im freitäglichen Stau stand, leuchteten im Osten die
Kaskaden, im Westen die Olympic Mountains und im Südosten stach der Mt. Rainier heraus.
Während der 80km Stop-and-go Verkehr bis Everett hatte ich noch genug Zeit das
unglaubliche Alpenglühen der Kaskaden zu bewundern. Ziemlich
erschöpft kam ich schließlich nach einer siebenstündigen Fahrt in Vancouver an, wo mich
Azra und Sinisa herzlichst aufnahmen.
Ob des schönen
Wetters, entschloss ich mich am nächsten Tag alleine nach Whistler zu fahren, um endlich
die Skisaison zu starten, nachdem es mir aufgrund des warmen Winters in den Kaskaden
bisher nicht möglich war, meine Bretteln aus dem Schuppen zu holen.
Um sieben Uhr
startete ich Richtung Whistler, nachdem ich mir in einem 7-Eleven Shop ein vergünstigtes
Ticket gekauft habe. Wie schon gestern Abend gab es an der Küste Nebel und so schauten
die hohen Brücken und Wolkenkratzer aus dem Nebelmeer heraus - ein unglaubliches und
unwirkliches Bild.
Die Fahrt nach
Whistler blieb mir sehr gut in Erinnerung. Die Straße führt einem entlang
Fjordes,
welcher den norwegischen Fjorden um nichts nachsteht. Inzwischen ging der Vollmond hinter
den spitzen, schneebedeckten Bergen unter und das Lila der Nacht wich dem Rosa und dem Rot
der Dämmerung.
Der Verkehr wurde
immer dichter und es schien, als hätte sich ganz Vancouver entschlossen nach Whistler zu
fahren. Trotz einer ununterbrochenen Kolonne fuhren die Kanadier wie verrückt. Mich
wunderte es nach dieser Fahrt nicht, dass auf dieser engen Strasse oft schwere Unfälle
passieren und die Polizei daher peinlichst auf die Einhaltung der Geschwindigkeit achtet -
doch die Kanadier scheint das wenig zu stören. So raste die Kolonne, in der ich
eingezwängt war, munter mit über 80km/h die enge Gebirgstrasse hinauf nach Whistler.
Nach einer zweistündigen Fahrt erreicht man schließlich diesen berühmten Touristenort
und meine Befürchtungen bestätigten sich, dass ganz Vancouver nach Whistler gefahren
ist, um den schönen Tag zu nutzen und so musste ich bei der Talstation 15 Minuten warten,
bis ich in die Doppelmayr-Gondel einsteigen konnte.
Das Schigebiet
Whistler-Mountain erstreckt sich über zwei benachbarte Berge, welche nicht miteinander
verbunden sind, nämlich dem Mt. Whistler und dem Blackcomp Mountain. Ich bin den gesamten
Tag am Blackcomp Mountain gefahren, da die Pisten dort angeblich weitläufiger sind und
fürwahr, trotz der Besuchermassen (oft musste man bis zu 15min vor den Liften warten),
war man auf den Pisten fast alleine unterwegs. Das Schigebiet ist für amerikanische
Verhältnisse sehr gut durchorganisiert und die Lifte sind durchwegs neu und haben sehr
hohe Kapazitäten, welche nur an sonnigen Wochenenden an ihre Grenzen stoßen.
Ein anderer Grund,
weshalb Mt. Whistler so beliebt ist, ist dass man nach dem Schifahren in den Ort gehen
kann um dort zu flanieren, zu essen oder zu shoppen ... ganz so, wie sich die Amerikaner
Schifahren in Europa vorstellen. Trotzdem der Ort großteils nur aus Hotelburgen und
Geschäften besteht, hat er doch Flair und man kann sich gut vorstellen dort eine Woche
Urlaub zu machen. Das Problem vieler amerikanische Schigebiete ist, dass diese irgendwo im
Hinterland sind, sprich mitten im Wald oder in der Einöde, und daher ein Urlaub dort
ziemlich fad sein kann.
Wieder zurück nach
Vancouver, wo mich am nächsten Tag typisches Vancouver-Wetter empfing (kühl, nebelig und
starkes Nieseln). Ich schaffte es wieder nicht ins anthropologische Museum am Gelände der
UBC (University of British Columbia) zu gehen. Stattdessen war ich mit Azra und Sinisa in
ein Thai Restaurant gegangen, wo man sehr gut und sehr billig essen konnte (so ein
Kombination gibt es in den USA leider nicht). Nachdem ich mich von ihnen verabschiedete
traf ich mich noch mit Craig Clements, welcher wie Bernhard und ich, die Entwicklung von
Kaltluftseen in Dolinen erforscht.
Bei der Rückfahrt
stand ich eine Stunde vor der amerikanische Grenze im Stau. Ich empfehle deshalb nicht den
Grenzübergang an der Interstate zu nehmen, sondern weiter im Osten die Grenze zu queren,
um erst in Bellingham auf die Interstate aufzufahren.
In Seattle regnete
es so heftig, dass ich befürchtete, dass der Pass über die Kaskaden eingeschneit werden
könnte. Es kommt im Winter nämlich nicht sehr selten vor, dass alle Pässe zwischen
West- und Ostwashington gesperrt sind. Ich hatte aber Glück, denn der Schneefall hatte
den Pass noch nicht erreicht, hatte jedoch mit dichten Nebel im Columbia Basin zu
kämpfen, so dass ich erst um ein Uhr in der Nacht wieder in Richland ankam. Nachtfahrten
in den USA, selbst auf den Interstates, verlangen dem Fahrer einiges ab. Die
Bodenmarkierungen sind oft gar nicht zu sehen und es gibt nur sehr selten Reflektoren an
den Straßenrändern, so dass man erahnen muss, wie die Strasse weitergeht.
Es war auf jeden
Fall ein tolles Wochenende und Whistler Mountain hat gehalten, was ich mir erwartet habe.
Ich bin den ganzen Tag durchgefahren und habe (fast) keine Piste zwei mal benutzt, obwohl
ich nur auf einem der beiden Schiberge gefahren bin!
written by stefan |